Simone Biles

Simone Arianne Biles Gerätturnen
Simone Biles Rio 2016e.jpg

Persönliche Informationen
Name: Simone Arianne Biles
Nationalität: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Disziplin Gerätturnen
Verein: World Champions Center
Trainer: Laurent Landi
Geburtstag: 14. März 1997 (24 Jahre)
Geburtsort: Columbus, Ohio
Größe: 142 cm
Gewicht: 47 kg

Simone Arianne Biles (* 14. März 1997 in Columbus, Ohio) ist eine US-amerikanische Turnerin. Mit 25 Medaillen ist sie die bisher erfolgreichste WM-Teilnehmerin.

Werdegang

Herkunft und schulische Ausbildung

Biles wurde im März 1997 in Columbus, Ohio geboren. Ihre leibliche Mutter war drogen- und alkoholsüchtig und konnte deshalb für Simone und ihre drei Geschwister Adria, Ashley und Tevin nicht sorgen. Simone und ihre zwei Jahre jüngere Schwester Adria wurden von den Großeltern Ron und Nellie Biles adoptiert und wuchsen in Spring, Texas auf.[1] Simone Biles absolvierte ihre gesamte schulische Ausbildung im Hausunterricht, die sie im Sommer 2015 abschloss. Im August 2014 teilte sie auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit, dass sie sich für ein Studium an der University of California, Los Angeles entschieden habe.[2] Sie plante, ihr Studium nach den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro aufzunehmen.[3] 2015 entschied sie sich dann aber dafür, Profi zu werden, wodurch sie von der Collegemeisterschaft ausgeschlossen war. 2018 schrieb sie sich an der Fernuniversität University of the People für ein Studium in Betriebswirtschaft ein. Sie wurde zugleich Markenbotschafterin der Hochschule.

Da ihre Adoptivmutter aus Belize stammt, hat Biles auch die Staatsbürgerschaft von Belize.[4] Biles ist katholisch.[5][6]

Kunstturnkarriere

Im Alter von sechs Jahren probierte Biles das Turnen aus, wobei ihr Talent erkannt wurde und sie von den Übungsleitern zum Training eingeladen wurde. Von 2003 bis Ende 2017 trainierte sie mit ihrer persönlichen Trainerin Aimee Boorman.[7] Heute ist Laurent Landi ihr Trainer.

Turn-Weltmeisterschaften

Biles gewann bei den Turn-Weltmeisterschaften 2013 in Antwerpen, 2014 in Nanning, 2015 in Glasgow, 2018 in Doha und 2019 in Stuttgart insgesamt 19 Gold-, 3 Silber- und 3 Bronzemedaillen, wobei sie bei allen fünf Meisterschaften in der prestigeträchtigsten Disziplin, im Mehrkampf, siegte. Sie ist damit die erfolgreichste Teilnehmerin an Turn-Weltmeisterschaften aller Zeiten. Als erste Turnerin überhaupt konnte sie den Weltmeistertitel im Mehrkampf dreimal in Folge gewinnen. An den Turn-Weltmeisterschaften 2018 konnte sie in allen Disziplinen eine Medaille erringen, was zuvor nur Jelena Schuschunowa 1987 gelungen war. Während der Weltmeisterschaften 2019 egalisierte und übertraf sie den Rekord von 23 gewonnenen Medaillen, den Vitali Scherbo aufgestellt hatte. Als erste Athletin seit Larissa Latynina 1958 gewann sie fünf Goldmedaillen an derselben Meisterschaft.

Olympische Sommerspiele 2016

Simone Biles gewann bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro insgesamt vier Goldmedaillen: am Boden, am Sprung, im Mannschafts-Mehrkampf und im Einzelmehrkampf. Am Schwebebalken gewann sie nach einem Fehler Bronze. Sie verpasste damit ihr anvisiertes Ziel, fünf olympische Goldmedaillen bei denselben Olympischen Spielen zu gewinnen, was bisher noch keiner Turnerin gelungen ist.[8]

Eigene Turnelemente

Biles hat bislang vier nach ihr benannte Elemente im Turnen erfunden, zwei am Boden und je eines am Sprung und am Schwebebalken.[7][9] Bei den Weltmeisterschaften 2019 in Stuttgart zeigte sie erstmals auf internationalem Niveau den gehockten Doppelsalto rückwärts mit dreifacher Schraube am Boden und den Doppelsalto mit Doppelschraube beim Abgang vom Schwebebalken. Beide trugen fortan ihren Namen. Das Element am Boden hatte sie erstmals am 11. August 2019 während der US-Turnmeisterschaften in Kansas City, Missouri gezeigt, was aber für die Aufnahme in den offiziellen Punktekatalog noch nicht ausreichend war. Mit diesem Element sprengte sie die bisherige Schwierigkeitsskala, in der der Buchstabe I für die Höchstschwierigkeit stand. Biles' Element wurde mit der Schwierigkeit "J" klassifiziert.

Einnahme von Methylphenidat

Die Hackergruppe Fancy Bear's oder Sofacy Group veröffentlichte gehackte Daten der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), dass bei Biles bei vier Dopingtests, die zwischen dem 11. und dem 16. August 2016 während der Olympischen Spiele durchgeführt wurden, die Substanz Methylphenidat nachgewiesen wurde. Biles darf mit Ausnahmegenehmigung (TUE) der US-Anti-Doping-Agentur wegen ADHS Methylphenidat einnehmen.[10] Der Dopingexperte Werner Franke sagte dazu dem Magazin Der Spiegel: Wenn jemand ganz hibbelig ist, dann muss man ihn ruhigstellen, vor allem auf dem Schwebebalken. Da hilft Ritalin. Deshalb ist es im Turnen ein weitverbreitetes Dopingmittel. Auch wenn man das nicht wahrhaben will.[11]

Missbrauch im US-Turn-Team

Im Januar 2018 machte Biles im Zuge der #MeToo-Kampagne öffentlich, dass sie vom ehemaligen Teamarzt des amerikanischen Turnteams Larry Nassar auf der Károlyi-Ranch, dem größten Trainingszentrum für Turner der USA und im Eigentum des Trainer-Ehepaars Béla und Martha Károlyi, missbraucht wurde. Schon von September 2016 bis November 2017 meldeten sich über 150 Frauen, darunter die Turnstars McKayla Maroney (Mitte Oktober 2017), Gabrielle Douglas und Alexandra Raisman (November 2017), die von Nassar missbraucht wurden.[12] Wegen der guten Trainingsbedingungen trainieren die US-Turnerinnen weiter auf der Károlyi-Ranch. Biles sagte dazu: „Ich werde also kontinuierlich an denselben Trainingsort zurückkehren müssen, an dem ich missbraucht wurde.“[13] Nur wenige Tage später gab USA Gymnastics bekannt, keine weiteren Trainingscamps mehr auf der Károlyi-Ranch zu veranstalten.[14]

Auszeichnungen

Weblinks

Commons: Simone Biles – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. „My dad flipped on me – don't call, don’t visit“: Golden girl Simone Biles’ ex-addict birth mom reveals bitter family rift after she was forced to give the Olympian up for adoption to her own mother and Father.
  2. Simone Biles auf Twitter. Abgerufen am 23. August 2016.
  3. Nick Zaccardi: Simone Biles chooses UCLA. In: OlympicTalk. 4. August 2014, abgerufen am 23. August 2016.
  4. Simone Biles Soars, Lifting Another Country With Her. Jeré Longman, 11. August 2016, abgerufen am 27. August 2016.
  5. Gymnast Simone Biles brings prayer to Rio and takes home gold. In: Religion News Service. Abgerufen am 23. August 2016.
  6. Catholic Online: „My Catholic faith is very important to me“: Two Catholic Olympians refuse to allow their faith to be swayed. In: Catholic Online. Abgerufen am 23. August 2016.
  7. a b Reeves Wiedeman: A Full Revolution. The New Yorker, 30. Mai 2016.
  8. Wevers gewinnt am Schwebebalken: Turnstar Biles verpasst Olympia-Rekord. n-tv.de, abgerufen am 17. August 2016.
  9. Steve Almasy: Simone Biles' vault is officially deemed "The Biles" - CNN. In: edition.cnn.com. 21. Dezember 2018, abgerufen am 14. März 2019 (englisch).
  10. USA Gymnastics statement regarding Simone Biles and WADA hack.
  11. Ruhigstellen auf dem Schwebebalken. Der Spiegel 38/2016, S. 101.
  12. Tim Evans: Former USA Gymnastics doctor accused of abuse. In: The Indianapolis Star. 18. Oktober 2017.
  13. Ein schrecklicher Ort. Spiegel Online, 16. Januar 2018.
  14. Dan Murphy, John Barr: USA Gymnastics cuts ties with Karolyi Ranch training facility. 19. Januar 2018, abgerufen am 21. Januar 2018 (englisch).

Information

Der Artikel Simone Biles in der deutschen Wikipedia belegte im lokalen Ranking der Popularität folgende Plätze:

Der präsentierte Inhalt des Wikipedia-Artikels wurde im 2021-06-13 basierend auf extrahiert https://de.wikipedia.org/?curid=8415998