Mary Phinney von Olnhausen

Porträt Mary Phinneys vom Frontispiz ihrer posthum veröffentlichten Tagebücher

Mary Phinney von Olnhausen (* 3. Februar 1818[1] in Lexington, Massachusetts; † 1902 in Boston) war eine amerikanische Krankenschwester und Abolitionistin. Aus ihren Tagebüchern ging das Buch Adventures of an Army Nurse in Two Wars (Abenteuer einer Armeekrankenschwester in zwei Kriegen) hervor.[2] Die Tagebücher gelten als wertvolle historische Quelle für medizinische Techniken zur Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs.[3]

Leben

Phinneys Eltern waren der Anwalt Elias Phinney und Catherine Bartlett Phinney. Mary Phinney war das fünfte von zehn Kindern[1] und hatte sechs Schwestern und drei Brüder. Sie erhielt an mehreren Akademien eine Ausbildung. Als ihr Vater 1849 im Alter von 69 Jahren starb, wurde die elterliche Farm verkauft und sie „suchte eine Anstellung als Gestalterin von Druckerzeugnissen“ in den Manchester Mills.[4] Dort traf sie einen Neffen von Wilhelm Heinrich von Kurrer, Gustav Baron von Olnhausen (1814–1860)[5]. Jener hatte das Königreich Sachsen nach den finanziellen Schwierigkeiten und Unruhen von 1848 verlassen und sein Schloss verkauft. Gustav von Olnhausen arbeitete als Chemiker in einer Färberei der Manchester Mills. Von Olnhausen und Phinney heirateten am 1. Mai 1858, als Phinney 40 Jahre alt war, er starb aber bereits zwei Jahre später.[4]

Militärdienst

Mansion House Hospital, an dem Mary Phinney von Olnhausen Oberschwester war

Während des amerikanischen Bürgerkriegs diente Phinney von Olnhausen als Krankenschwester im Mansion House Hospital in Alexandria, Virginia, und im Mansfield General Hospital in Morehead, North Carolina.[6] Zu ihren abolitionistischen Überzeugungen findet sich ein kurzer Eintrag im Tagebuch. Gegen Ende ihrer Dienstzeit in Smithville (North Carolina), im Juni 1865, äußert sie sich verständnislos über die Überzeugungen der kriegsgefangenen Soldaten der Gegenseite, die Sklaverei werde wieder etabliert werden.

„Can you believe that many of them still think slavery will be reestablished? Can one have a stronger proof of their ignorance?“

„Kannst du dir vorstellen, dass viele von ihnen immer noch glauben, dass die Sklaverei wieder eingeführt wird? Gibt es einen stärkeren Beweis für ihre Beschränktheit?“

Mary Phinney von Olnhausen: Adventures of an Army Nurse in Two Wars[7]

Nach dem Krieg, im August 1865, wurde sie entlassen und kehrte nach Hause zurück, um ihrem Bruder in Illinois bei der Erziehung seiner Kinder zu helfen.

Mit dem Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges 1870 meldete sie sich freiwillig als Krankenschwester für den Dienst in der preußischen Armee und wurde als Baronin von Olnhausen aufgenommen. Sie diente in Feldlazaretten in Meung-sur-Loire und Vendôme, wofür sie 1873 von Kaiser Wilhelm I. mit dem Verdienstkreuz für Frauen und Jungfrauen ausgezeichnet wurde.[8] Letzteres war jedoch aktiv an Kampfhandlungen Beteiligten vorbehalten. Phinney von Olnhausen starb im April 1902 in Boston.[9]

Miniserie Mercy Street

Im Jahr 2015 produzierte der amerikanische Fernsehsender PBS in der Reihe Masterpiece Theatre die zwölf Episoden umfassende Miniserie Mercy Street über das Mansion House Hospital, in dem Phinney diente, welche sich stark aus ihren Tagebüchern speiste. Die Hauptfigur, gespielt von Mary Elizabeth Winstead, basiert auf Phinneys Biografie.[2]

Weiterführende Literatur

Weblinks

Commons: Mary Phinney – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Mary Phinney: Adventures of an army nurse in two wars; Edited from the diary and correspondence of Mary Phinney, baroness von Olnhausen. Hrsg.: James Phinney Munroe. Little, Brown, and Company, Boston 1904, ISBN 978-1-164-37466-4, S. 7 (englisch). Als Digitalisat online einsehbar.
  2. a b Stanley B. Burns: Nursing in the Civil War – Behind the Lens: A History in Pictures. In: pbs.org. Public Broadcasting Service, abgerufen am 4. September 2020 (englisch).
  3. M. Callahan: Civil War Nurses & The Mansion House General Hospital. New PBS Series. In: annandalechamber.com. Annandale Chamber of Commerce, abgerufen am 4. September 2020 (englisch).
  4. a b Mary Phinney: Adventures of an army nurse in two wars. S. 9.
  5. Poesiealben aus Schumanns Zwickauer Freundeskreis. In: schumann-zwickau.de. Robert-Schumann-Haus Zwickau, 2018, abgerufen am 5. September 2020.
  6. Mary Phinney. In: History of American Women. 13. Mai 2016, abgerufen am 5. September 2020 (amerikanisches Englisch).
  7. Mary Phinney: Adventures of an army nurse in two wars. S. 210.
  8. Das preußische Verdienstkreuz für Frauen und Jungfrauen. In: Uwe Brückner (Hrsg.): Ordensjournal. Nr. 8. Berlin 1. Mai 2007, S. 24. Reprint von Das Verdienst-Kreuz für Frauen und Jungfrauen, hrsg. v. L. Schneider, Verlag Alexander Duncker, Berlin 1872. Einsehbar als pdf. Diese Auszeichnung ähnelt dem Eisernen Kreuz, was in den posthum veröffentlichten Tagebuchnotizen Phinneys scheinbar zu Verwechslungen des amerikanischen Herausgebers führte. Darin wird die Verleihungsurkunde zitiert, diese bezeichnet ganz klar „Das preußische Verdienstkreuz für Frauen und Jungfrauen“, wird jedoch als „Iron Cross“ kontextualisiert. Hier die referenzierte Stelle im Tagebuchtext.
  9. Pamela D. Toler, Ridley Scott: Heroines of Mercy Street: The Real Nurses of the Civil War. Little, Brown and Company, New York 2016, ISBN 978-0-316-39207-5.

Information

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Der präsentierte Inhalt des Wikipedia-Artikels wurde im 2020-11-09 basierend auf extrahiert https://de.wikipedia.org/?curid=11447669